Der sächsische Brauerbund

Tag des Bieres

Die sächsischen und thüringischen Brauereien feiern am 23. April den Tag des Deutschen Bieres

Bei sommerlichen Temperaturen ist es endlich wieder Zeit für ein kühles Bier im Freien. Die Brauereien in Sachsen und Thüringen laden am 23. April 2018, zum 502. Geburtstag des ältesten Lebensmittelgesetzes der Welt, zu verschiedensten Biererlebnissen ein.

 

Die Bergquell Brauerei Löbau macht sich am Tag des Deutschen Bieres mit den „stärksten Mitarbeitern“ ihren Brauereipferden auf den Weg in die Innenstadt von Löbau und verteilt Bierproben an Passanten sowie kleine Geschenke an die Löbauer Gastronomen. Hier wird schon für den Eibauer Bierzug geprobt, der in diesem Jahr am 24. Juni stattfinden wird.

In Zwickau beginnt die Mauritius Brauerei schon am Sonntag, den 22. April mit einem Frühschoppen ab 11 Uhr bei Dixie und Swing Musik. Dazu gibt es das neue Spezialbier, das „Elf18“, eine Brauspezialität, die die Brauerei extra zum 900-jährigen Jubiläum der Stadt Zwickau kreiert hat. Interessierte können bei exklusiven Braumeisterführungen erleben wie das Bier gebraut wird.

In der Köstritzer Schwarzbierbrauerei wird am 23. April das historische Köstritzer Sudhaus eröffnet. Der Staub der Jahrzehnte konservierte die kupfernen Pfannen und Kessel. Nach 30 Jahren Dornröschenschlaf begann man dieses Juwel wieder freizulegen und restaurierte die denkmalgeschützte Anlage. Von 13 bis 17 Uhr kann sie am Tag des Deutschen Bieres besichtigt werden. Zudem wurde im Keller eine Ausstellung zusammengestellt, die die Köstritzer Geschichte erlebbar macht. Internationale Medaillen von 1893/94, die schon vom frühen Erfolg des Bieres erzählen, die Eissäge, mit der man einst die großen Blöcke aus den Eisteichen heraussägte, die Kartons, mit denen das Bier zu DDR-Zeiten in den Westen exportiert wurde, ein Gästebuch aus dem Jahr 1904 und vieles, vieles mehr.

Radeberger Pilsner, Freiberger und Ur-Krostitzer starten am Tag des Bieres die Einladung zu einer besonderen Reise. Die Brauereien übernehmen gemeinsam die Rolle des Gastgebers und offerieren dem Biergenießer ein einmaliges Reiseerlebnis. Vier Städte stehen im Zentrum: Dresden, Radeberg, Leipzig und Freiberg. Einen dieser Orte wählt der Bierliebhaber für die zentrale Übernachtung und begibt sich von dort auf die Spuren des sächsischen Bieres. Wer Lust auf eine mehrtägige Reise mit kulturellen und kulinarischen Requisiten hat, kann sich ab dem 23. April mit Freunden auf den Weg machen: Bierverkostungen, Plaudereien mit Bierkutscher Ernst, ein Ausflug mit der ältesten deutschen Schmalspurbahn, erbauliche Stadtrundfahren und einige kulturelle Highlights. Alles in einem Paket.

Der 23. April lädt zu verschiedensten Unternehmungen ein. Mit zahlreiche Sorten, Spezialitäten und Geschmacksrichtungen laden die Brauereien zu einem spannenden Bierjahr 2018 ein.

 

Am 23. April hat das Bier Geburtstag – und alle Sachsen feiern mit!

Es ist die älteste Lebensmittelverordnung der Welt: das Deutsche Reinheitsgebot, nach dem auch die sächsischen Brauer heute noch ihr Bier brauen. Deshalb feiern alle Freunde des frischen Gestensaftes am 23. April den „Tag des Deutschen Bieres“. Anno 1516 machte der bayerische Herzog Wilhelm IV. das Bierbrauen zur Chefsache. Kein Zusatz von Kräutern, kein Ruß für’s Dunkelbier und kein Stechapfel für die geschmackliche Verfeinerung. Denn es kam auch durchaus vor, dass bei der Auswahl der intensiv riechenden und schmeckenden Zusatzstoffe grobe Fehler begangen wurden und sich der Brauer oder die Brauerin bei der Dosierung ein wenig vergriffen hat. Als geringste Folge verspürte der Gast beim Genuss ein gewisses Unwohlsein, der schlimmste Ausgang konnte mit einer Vergiftung schon mal zum Tod führen. Sicherlich habe solche Gepflogenheiten die Entwicklungen eines Gebots gefördert, bei dem der Verbraucher geschützt wird und auch Brauer, die es mit ihrem Handwerk nicht so genau genommen haben, von denen getrennt wurden, die ihr Bier nach dem besten Wissen und Gewissen hergestellt haben.

Die Verkündung der heute als Reinheitsgebot bekannten Verordnung im Jahr 1516 in Bayern, genauer gesagt in Ingolstadt, stellte den Höhepunkt einer Jahrzehnte dauernden rechtlichen Entwicklung dar. Dabei ging es den jeweiligen Obrigkeiten und Instanzen darum, durch entsprechende Verordnungen die Qualität des Bieres, damals ein Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung, zu verbessern. Die Urfassung legte fest, dass Bier nur aus Wasser, Malz und Hopfen gebraut werden darf. Hefe wurde, weil ihre genaue Wirkungsweise im Brauprozess damals noch nicht bekannt war und sie anfangs nicht als Zutat angesehen wurde, später ausdrücklich hinzugefügt.

Die am 23. April 1516 durch den bayerischen Herzog Wilhelm IV. und seinen Bruder Herzog Ludwig X. erlassene Herstellungsvorschrift, die heute als Reinheitsgebot bezeichnet wird, verfolgte ursprünglich drei Schutzziele:

Erstens sollte das Gesetz die Menschen vor überzogenen Bierpreisen schützen, zweitens den Einsatz des für die Versorgung der Bevölkerung mit Brot bedeutsamen Brotgetreides Weizen zur Bierproduktion ausschließen und drittens die Zugabe solcher Zutaten verhindern, die dem Bier zwar eine gewisse Würze, Vollmundigkeit oder berauschende Wirkung verliehen, jedoch im Vergleich zu Hopfen und Malz minderwertig und oft sogar giftig waren. So setzten Bierpanscher ihrem Gebräu seinerzeit auch giftige Zutaten wie Stechapfel, Ruß oder Tollkirschen zu.

Der Schutz der Menschen vor gefährlichen, giftigen, gesundheitsschädlichen Zutaten ist ein Hauptmotiv, das sich auch bereits in älteren, lokalen Herstellungsvorschriften findet (z.B. Augsburg 1156, Nürnberg 1293, Weimar 1348, Weißensee/Thüringen 1434, München 1363).

Je weiter die bayerischen Landesherren damals ihren Herrschaftsraum ausweiteten, desto mehr Bedeutung erlangte das Reinheitsgebot von 1516 auch für das Brauwesen in anderen Landesteilen. Von der Qualität bayerischer, nach dem Reinheitsgebot gebrauter Biere überzeugt, schrieben später auch andere Länder (Baden 1896, Württemberg 1900) die Einhaltung des Reinheitsgebotes für die Bierbereitung vor, ehe es durch Reichsgesetz vom 7. Juni 1906 auch für die damalige Norddeutsche Biersteuergemeinschaft verbindliche Geltung erlangte und seither ohne Unterbrechung für ganz Deutschland gilt.

Auch die durch die Europäische Union als Teil des „kulinarischen Erbes Europas“ geschützten geographischen Angaben (ggA) „Bayerisches Bier“, „Bremer Bier“, „Kölsch“ und „Münchner Bier“ stützen ihre Besonderheit im Kern heute noch auf die Herstellung nach dem Reinheitsgebot. Die unterschiedlichen Biersorten spiegeln die über Jahrhunderte entwickelten, regional differenzierten Brauhandwerkstechniken wider – eine weltweit einzigartige Vielfalt, die es zu bewahren gilt. Darüber hinaus hat die EU dem deutschen, nach dem Reinheitsgebot gebrauten Bier den besonderen Rang eines geschützten „traditionellen Lebensmittels“ zuerkannt. Seit 1994 wird nun am 23. April alljährlich mit dem Tag des Deutschen Bieres dieser entscheidende Meilenstein gefeiert.