Sächsische Brauer feiern das Jubiläum des Reinheitsgebotes

Die sächsische Brauwirtschaft begeht dieses Wochenende den 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes. In vielen Brauereien in Sachsen werden am 23. und 24. April die Türen geöffnet und gefeiert. In Ingolstadt wird Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Festakt am 22. April erwartet.

1516 legten die damals regierenden Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt fest: Wasser, Hopfen und Malz- mehr Zutaten dürfen nicht drin sein in dem damals schon sehr beliebten Getränk. Später kam noch Hefe hinzu, aber ansonsten hat sich in den fünf Jahrhunderten nichts mehr verändert. Die damalige Festlegung auf die Zutaten ist immer noch Grundlage für unser heutiges Recht. „In einer Zeit, in der sich viele Menschen um das sorgen, was sie täglich zu sich nehmen, ist die Gewissheit um das Reinheitsgebot eine verlässliche Größe.“ meint Steffen Dittmar der Präsident des Sächsischen Brauerbundes.

Das Reinheitsgebot garantiert, dass im Bier keine Zusatzstoffe verwendet werden, die aber nach EU-Recht erlaubt sind. „Trotzdem haben wir kein Einheitsbier, denn es gibt mit den verschiedenen Hopfen-, Malzsorten und verschiedenen Hefestämmen über eine Millionen Möglichkeiten Bier nach dem Reinheitsgebot zu brauen “, erklärt Dr. Marc Kusche, Mitglied des Präsidiums des Sächsischen Brauerbundes.

Angehende Brauer experimentieren im Rahmen des Reinheitsgebotes

Um das zu bestätigen, haben die Schüler der Brauerschule in Dresden in ihren diesjährigen Gesellensuden ganz verschiedene Biere mit den vier Zutaten ausprobiert und ihre Ergebnisse vorgestellt.

„Der Gesellensud gehört zu den Abschlussaufgaben der angehenden Brauer. Bierbrauen hat heute die Aufgabe, Traditionen wie sie im Reinheitsgebot von 1516 festgeschrieben sind mit modernster Technik und Technologie zu verbinden“, erklärt Herwig Bittner der Leiter des BSZ für Agrarwirtschaft und Ernährung in dem sich auch die Brauerschule befindet. Genau deswegen lieben die angehenden Brauer Ihren Beruf. Für Annabel Kaupmannsennecke aus dem 2. Lehrjahr ist die Beschränkung auf die vier Zutaten gerade die Kunst: „Beim Bier ist es möglich mit nur vier Zutaten eine riesige Produktpalette zu kreieren“. Für Robin Nioduschewski ist Bier das interessanteste Lebensmittel überhaupt, da es eine lange Kulturgeschichte aufweist, Menschen verbindet und es ständig neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die den Brauprozess optimieren.

Die dreijährige Ausbildung ist sehr vielfältig. Von computergesteuerten Anlagen über Mikrobiologie, Botanik und Umweltschutz bis hin zur Biochemie, Analysentechnik und Energiewirtschaft ist alles dabei. Der theoretische Unterricht in der Schule wechselt sich dabei mit der praktischen Lehrzeit in der Brauerei ab. Die Schüler werden sowohl für die Arbeit in einer Gasthausbrauerei als auch für eine Tätigkeit in einer mittelständischen oder einer großen Brauerei ausgebildet.

Sächsische Brauwirtschaft knüpft an Erfolg des Vorjahres an

Die sächsische Brauwirtschaft hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem starken

Wirtschaftszweig entwickelt und ist ein interessanter Arbeitgeber. Nach Bayern und NRW bleibt Sachsen mit 8,5 Mio. Hektolitern drittgrößter Bierhersteller in Deutschland. Gemessen an der Bevölkerungszahl behauptet Sachsen seine Spitzenstellung. Mit ca. 200 l pro Sachse wird mehr Bier produziert als in jedem anderen Bundesland. Die Anzahl der Brauereien wuchs von 32 Mitte der 90ziger Jahre auf über 60 Brauereien an.

Doch nicht nur in Deutschland wird mehr sächsisches Bier getrunken. Auch im Ausland gibt es immer mehr Liebhaber des Gerstensaftes aus Sachsen. Wie die Ausfuhrstatistiken belegen, stieg 2015 der Anteil von exportierten sächsischen Bier um 250.000 hl.

Die sächsischen Brauer sind zuversichtlich. Nachdem sie 2015 den höchsten Zuwachs in Deutschland verzeichnen durften, verlief auch der Jahresstart erfolgreich. „Mit den ersten Monaten des Jahres sind wir sehr zufrieden. Das milde Wetter hat einen frühen Biergartenstart ermöglicht. “, berichtet Barbara Sarx-Lohse die Geschäftsführerin des Sächsischen Brauerbundes. „Wir hoffen, dass die Jubiläumsstimmung und die EM uns dabei helfen, den Absatz in diesem Jahr nochmal zu erhöhen“.